Basketball Co@ches Corner

von Günter Steppich

BELASTUNG UND ERHOLUNG

Die bei vielen Trainern beliebten Sprüche wie „je härter das Training,
desto besser“ und „heute hab’ ich die Jungs mal wieder so richtig platt
gemacht“ sind absoluter Blödsinn. Ein Training ist nur dann effektiv,
wenn Belastung und Erholung sinnvoll kombiniert werden. Wer sein Team
immer nur Volldampf gehen läßt, führt es direkt ins Übertraining –
Leistungsabfall und Motivationsverlust sind die Folgen, die nicht mehr
kurzfristig zu beheben sind. Dies gilt sowohl für eine einzelne
Trainingseinheit als auch für eine Trainingswoche oder einen
mehrwöchigen Trainingszyklus. Wenn die Muskulatur schon zu Beginn eines
Trainings durch zu intensive Belastung übersäuert, kann sie im
restlichen Verlauf des Trainings keine Höchstleistung mehr bringen.
Bringt ein übereifriger Trainer seine Mannschaft schon am ersten Tag
eines Trainingslagers an den Rand ihres Leistungsvermögens („denen
zeig’ ich gleich mal wo’s lang geht“), ist damit der Erfolg des
gesamten Trainingslagers gefährdet. Zudem haben solche Überbelastung
ein enorm gesteigertes Verletzungsrisiko zur Folge. Jede körperliche
Belastung bewirkt im Körper Anpassungsprozesse, die sogenannte
Superkompensation, die bewirkt, daß der Körper sich auf diese Belastung
einstellt und sie beim nächsten Mal leichter bewältigen kann. Im
wesentlichen geht es dabei um eine bessere Energiebereitstellung. Jede
Belastung führt zu einem Abbau der Energievorräte im Körper. Diese
Vorräte werden in der folgenden Erholungsphase nicht nur auf das
vorherige Niveau, sondern darüber hinaus aufgefüllt, der Organismus
überkompensiert also den Verbrauch, um auf die nächste Belastung besser
vorbereitet zu sein. Die Leistungsfähigkeit nimmt also zu. Wird jedoch
die nächste Belastung gesetzt, bevor dieser Effekt eingetreten ist,
verliert der Körper an Leistungsfähigkeit, man spricht dann von
Übertraining. Ist umgekehrt die Pause zwischen zwei Belastungen zu
lange, geht die Superkompensation wieder verloren, die neue Belastung
erfolgt also bei gleicher Leistungsfähigkeit wie zuvor. Die Leistung
wird nicht gesteigert, sondern lediglich stabilisiert. Jede Belastung
verlangt demnach auch die entsprechende Erholung, um einen optimalen
Trainingseffekt – wie rechts dargestellt – zu erzielen. Je nach Art und
Intensität der Belastung kann die sogenannte Superkompensationszeit bis
zu 72 Stunden betragen.


Schreibe einen Kommentar