Basketball Co@ches Corner

von Günter Steppich

Transition Defense (Unterzahl 1-2, 2-3)


Grundlagenthema: Center/Angreiferbewegungen


Taktikthema: Transition UNTERZAHLVERTEIDIGUNG 1-2 / 2-3

 1. VORAUSSETZUNGEN:

Lerngruppe sind die Trainer/innen des Trainerlehrgangs BA101. Da das spielerische Leistungsgefälle der einzelnen Trainer und Trainerinnen sehr groß ist, fällt es schwer, das Niveau der Gruppe exakt einzuschätzen. Trotzdem handelt es sich bei beiden Themen um Inhalte, die jedem Spieler vertraut sein sollten.


Aus diesem Grund werde ich mich bei beiden Themen hauptsächlich um Einzelkorrekturen kümmern, da allgemeine Inhalte bei allen Trainern vorausgesetzt werden. Schwerpunkte hierfür werden in den einzelnen Lernzielen definiert.


Materielle Voraussetzungen: 5 Körbe, 5 Bälle, Markierungshemden.


2. LERNZIELE:


2.1. zu Center/Angreiferbewegungen:




· Position am Lowpost erarbeiten mit Hilfe von Finten und Cuts


· Powermove in den 3-Sekunden-Raum mit Abschluss Sprungwurf oder Baby Hook


2.2. zu Transition UNTERZAHLVERTEIDIGUNG 1-2 / 2-3:




· Verhindern von Durchbruch


· Schulung der richtigen Raumaufteilung durch richtiges Absinken und Angreifen


· Verteidiger agieren, um Angreifer zum Reagieren zu zwingen, mit Verteidiger-Finten


 


3. SACHANALYSE:


3.1. Center/Angreiferbewegungen:


Center/Angreiferbewegungen sind nicht, wie der Begriff andeutet, ausschließlich für Centerspieler anwendbar. Vielmehr ist im modernen Basketball häufiger zu sehen, dass ein Missmatch auf anderen Spielpositionen wie Aufbau und Flügel durchaus auf der Centerposition ausgespielt wird.


Die Schwierigkeit für Nicht-Centerspieler liegt in der Tatsache, dass mit dem Rücken zum Korb gespielt wird und somit das Gesichtsfeld sehr stark eingeschränkt ist.


Im Gegensatz zum 1:1-Spiel von Flügeln und Aufbauspielern fallen Entscheidungsprozesse schwerer, da nicht alle anderen Spielpositionen gesehen werden können. Zudem ist es schwieriger, die Verteidigung des direkten Gegenspielers zu lesen. Der direkte körperliche Kontakt zum Gegenspieler ist aus diesem Grunde sehr wichtig.


Eine sehr häufig vorkommende Schneidebewegung ist die vom Highpost zum Lowpost, oder auch für den Aufbau oder Flügel, wenn aus der 1:4-Aufstellung eine UCLA Highpost Cut gespielt wird. Beide Varianten stellen ähnliche Anforderungen an die Spieler. Da der Cut in der Regel auf der Strongside passiert, ist mit Körperkontakt des Gegenspielers zu rechnen.


Eine andere Methode, den Ball auf den Lowpost zu bekommen, besteht in einem Swingpass auf die Seite, wo der Lowpost steht. Dann ist es entweder durch körperliche Vorteile oder durch eine Finte (z.B. Vortäuschen eines Blocks auf die Weakside und anschließend das Drehen in den Verteidiger, um eine gute Position nahe am Brett zu erlangen) möglich, den Ball auf Lowpost zu erhalten.


Ebenso sind Anspiele am Highpost möglich.


Wenn der Spieler an der erarbeiteten Position im Ballbesitz ist, kommen eine Vielzahl von Angreiferbewegungen in Frage. Ich werde mich hier auf den Powermove in den 3-Sekunden-Raum beschränken, da die Übungsformen auch für Nicht-Centerspieler umsetzbar sind. Nach dem Powermove sollen beim Demoteam zwei Abschlussvarianten geübt werden.


– Powermove Sprungwurf
– Powermove Baby-Hook


 3.2. Transition UNTERZAHLVERTEIDIGUNG 1-2 / 2-3:


Unterzahlsituationen entstehen:




· bei Schnellangriffen des Gegners


· bei Ball-Raum-Verteidigung durch Überlagerung


· in Help-Situationen, wenn ein Verteidiger ausgespielt wird


· wenn eine Pressverteidigung ausgespielt wird


Ziel der Verteidigung in Unterzahl ist es immer, den Angreifer so lange zu beschäftigen, bis durch nachrückende Verteidiger eine Gleichzahl wieder hergestellt ist. Solange Unterzahl besteht soll jeder einfache Korb, durch Wurf oder Durchbruch, verhindert werden – im Notfall durch ein Foul.


Bei einer Unterzahlsituation 2-3 müssen die Verteidiger versuchen, in eine hintereinander gestaffelte Aufstellung zwischen Ball und Korb zu gelangen, wobei der vordere Verteidiger (X1) den Ballbesitzer angreift und versucht, einen Durchbruch zu verhindern, indem er einen Dribbler möglichst korbfern stoppt oder ihn vom Korb abdrängt. Der hintere Verteidiger (X2) sinkt zum Korb ab und nimmt im Fall eines Abspiels den neuen Ballbesitzer auf, während X1 nun absinkt, usw. Beide Verteidiger müssen mit Täuschungen versuchen, die Angreifer zu irritieren und möglicherweise zu Fehlhandlungen zu verleiten. Keinesfalls darf die Initiative den Angreifern überlassen werden – eine passive, nur reagierende Verteidigung hat keine Chance. Mögliche Verteidigerentscheidungen sind:




· Finten: – Passwege anbieten, schließen – Attacke und dann absinken – Passweg anbieten, dann schließen


· Psychologisch: Angreifer seine schwächste Option anbieten


 


4. METHODISCHE ENTSCHEIDUNGEN:


Neue Übungsformen und -inhalte werden durch Unterrichtsgespräch eingeführt und mittels geeigneter Demonstrationen verdeutlicht. Der Schwerpunkt soll in der korrekten Ausführung der Centerbewegungen und im individuellen Verteidigerverhalten beim Unterzahlspiel liegen. Treten Fehler, die zu korrigieren sind, bei mehreren Spielern gleichzeitig auf, werde ich die Übungen anhalten, anderenfalls gehe ich in die Einzelkorrektur.


4.1. zu Center/Angreiferbewegungen:




· (ohne Verteidiger)
Zunächst wird die Schneidebewegung vom Highpost zum Lowpost ausgeführt mit anschließendem Anspiel und Powermove in den 3-Sekunden-Raum mit Abschluss Sprungwurf. Anschließend mit Abschluss Baby-Hook.


· (mit Verteidiger)
Jetzt kommt ein Verteidiger hinzu, der das leichte Aufposten verhindern soll und nach Ballerhalt körperlichen Druck ausübt. Zuerst mit Powermove Sprungwurf, anschließend Powermove Baby-Hook.


· (ohne Verteidiger)
Im nächsten Schritt gehen wir davon aus, dass der Cut und das folgende Anspiel verhindert wird. Der angreifende Spieler soll nun seinen Laufweg so ansetzen, als ob er seine Bemühungen aufgibt, den Ball auf Lowpost zu erhalten, und versucht einen Spieler auf der Weakside zu blocken. Nachdem der Verteidiger locker folgt, da die Bewegung vom Ball weg erfolgt, soll der Angreifer schnell am Verteidiger rollen und wieder in die Posting-up-Position gehen. Anschließend erfolgt das Anspiel mit Abschluss wie in den beiden vorherigen Übungen.


· (mit Verteidiger)
Die gleiche Übung wie zuvor, nur dass der Verteidiger das erste Anspiel verhindert und anschließend auf die Finte hereinfallen soll und nur noch mit leichtem körperlichen Druck die Aktion erschwert. Anschließend Abschluss wie in den beiden vorherigen Übungen.


Ein Fronten durch den Verteidiger werde ich bei dieser Übung untersagen, da ein Überspielen nur durch Pin des Verteidigers und Verändern des Anspielwinkels durch Passen/Dribbeln möglich ist und dem Sinn der Übung nicht entspricht.


Im normalen Vereinstraining würde ich jetzt versuchen, in spielnahen Situationen diese Sequenzen verstärkt einzusetzen, damit die Inhalte besser verinnerlicht werden.  


4.2. zu Transition UNTERZAHLVERTEIDIGUNG 1-2 / 2-3:




· Zunächst wird die Unterzahlsituation 1-2 geübt. Schwerpunkt ist hier das Täuschen direkt am Ballbesitzer. Durch Finten wie Angreifen, Absinken, dem Angreifer eine Seite öffnen und wieder schließen wird versucht, den Angreifer zu verlangsamen und im Idealfall zum Dribbelstop zu zwingen.


· im nächsten Schritt wird der 2. Verteidiger und ein 3. Angreifer zum 3-2 hinzugenommen. Die Aufgabe des Ballverteidigers wurde vorher definiert. Nun geht es um den 2. Verteidiger, der den Raum verteidigt und entweder durch Finten mal den einen, mal den anderen Angreifer ohne Ball attackiert (nur täuschen) oder nach einem Pass auf einen freien Angreifer nun die Rolle des Ballverteidigers übernimmt. Der andere Verteidiger sinkt ab und übernimmt jetzt die Verteidigung der anderen beiden Angreifer ohne Ball.


· In den vorhergehenden Übungen war die Unterzahl permanent. Spielnah ist allerdings, dass diese Unterzahl nur zeitlich begrenzt ist, d.h. es kommt ein weiterer Verteidiger hinzu, der nach einer bestimmten Zeit mitverteidigen (nachlaufen) kann. Dadurch wird das Ziel der Verteidigung, den Angriff zu verlangsamen, noch klarer. Zunächst im 1-2 +1-Verteidiger, anschließend im 2-3+1-Verteidiger.


In meiner Lehrprobe gehe ich davon aus, dass die Inhalte aus dem 1-2 als Wiederholung angesehen werden, so dass ich den Schwerpunkt auf die 2-3-Unterzahlverteidigung legen werde.


5. GEPLANTER LEHRPROBENVERLAUF:


Trainingsentwurf





























































 


 


Minuten


Grafik


Beschreibung


10



2 Bälle
·die Spieler erspringen den Ball aus dem Netz und müssen bei Korberfolg hinter der Grundlinie einwerfen
– nach Erwärmung –
·die Zeit, die benötigt wird, um 40 Korbleger zu treffen, wird gestoppt
·Schrittfehler oder Dribblings sind nicht erlaubt und bewirken die Annullierung eines Treffers


5



Stretching


1-2


Einführungsgespräch Technikteil Center-Angreiferbewegungen


10



1. Ohne Verteidiger. Cut vom Highpost. Anspiel auf Lowpost. Powermove in 3-Sekunden-Raum Abschluss Sprungwurf oder Baby Hook


2. Gleiche Übung mit Verteidiger


5

 

5 x 2 Freiwürfe


10



1. Start wie vorangegangene Übung. Anspiel im ersten Schritt nicht möglich. Block auf Weakside andeuten. In den Verteidiger rollen. Powermove in 3-Sekunden-Raum. Abschluss Sprungwurf oder Baby Hook


2. Gleiche Übung mit Verteidiger


5

 

Wurfübung zu zweit. Anspiel Wurf. Werfer holt eigenen Rebound. Anderer Spieler sucht Wurfposition. Anspiel vom Rebounder.


1-2


Einführungsgespräch Transition Unterzahlverteidigung 1-2 / 2-3


5



1-2 Unterzahlverteidigung. Spieler, der auf den Korb wirft oder den Fehlpass gibt, wird Verteidiger. Weitere Spieler stehen hinter der Grundlinie bereit zum Verteidigen, damit die nächste Gruppe schnell wieder angreifen kann.


5



2-3 Unterzahlverteidigung


5

 

5 x 2 Freiwürfe


10



2-3 + 1 Kontinuum. Verteidiger darf nachlaufen, wenn der letzte Angreifer über die Mittelline gelaufen ist. Verteidiger muss Mittelkreis mit Fuß berühren. Die 3 Verteidiger werden anschließend zu Angreifern in die andere Richtung.


15

 

5:5 Spiel über das ganze Feld


Rest


Cool Down auslaufen / Stretching


 


6. LITERATUR:


Hagedorn, G./Niedlich, D./Schmidt, G.: Basketball-Handbuch. Reinbek, 1996

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