Basketball Co@ches Corner

von Günter Steppich

Transition Defense (Unterzahl 2-3)

Trainerlehrgang CA 192 HE


Lehrprobe


Gregor Gramlich


Thema:


Verbesserung des Unterzahlspiels „2 gegen 3“

Übungs-Übersicht


Definition:


Koordinierung der Verteidigungsaktionen zweier Spieler, die gegen drei Angreifer den schnellen und erfolgreichen Abschluß verhindern sollen. Diese Situation kommt fast nur im Schnellangriff vor und ist zeitlich begrenzt, weil die übrigen Verteidiger und Angreifer nachrücken.


Das Thema ist dem Bereich Gruppentaktik (in der Verteidigung) zuzuordnen.


Ziele und Voraussetzungen:


Die Spieler sollten zunächst über die Grundtechniken der Mann-Mann-Verteidigung verfügen, auch die anderen Grundtechniken, wie Dribbeln, Passen, Fangen, Werfen und Rebound sollen vorhanden sein.


In dieser Trainingseinheit werden die Spieler lernen, eine 2-3 Unterzahl in der Verteidigung rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.


Diese Reaktion soll in den Grundzügen so aussehen, daß der Ballbesitzer immer verteidigt wird, außer wenn er sein Dribbling bereits beendet hat und in einer ungünstigen Wurfposition ist. Der zweite Verteidiger soll die Pässe abfangen, was nur selten möglich sein wird. Er soll aber auf jeden Fall eine Position einnehmen, die es ihm ermöglicht, bei einem Durchbruch des Ballbesitzers auszuhelfen oder die beiden übrigen Angreifer so schnell wie möglich zu erreichen, falls einer von ihnen in Ballbesitz kommt.


Das Ziel dieser Aktionen ist es, einen Wurf so schwer wie möglich zu machen. Außerdem sollen sie es den übrigen Verteidigern ermöglichen, zurückzukommen, um so die Unterzahlsituation zu beenden. Daher ist es bereits ein Erfolg für die Verteidigung, wenn sie den Angriff so stört, daß er beispielsweise länger als 6 Sekunden dauert, oder mehr als 3 Pässe benötigt werden.


Wenn es den Angreifern gelingt, auf den Korb zu werfen, muß die Verteidigung versuchen, den Rebound zu bekommen. Auch dieses werden die Spieler in den späteren Übungen lernen.


Didaktisch-Methodische Überlegungen:


Da sich eine Dreiecksaufstellung der Angreifer (Abb. 1) bei einem 3-2 Überzahlspiel als nützlichste und im Spiel meistgebrauchte erwiesen hat, werden die Verteidigungsübungen auch nur gegen eine solche Aufstellung stattfinden. Da solche Aufstellungen, die beispielsweise nur eine Seite des Vorfeldes benutzen (Abb. 2) leichter zu verteidigen sind, sollte mit den Übungen gegen die Dreiecksaufstellung der gefährlichste Fall abgedeckt sein.










Abbildung 1 Abbildung 2

Abb. 1


Abb. 2


Das Training ist für 10 Spieler konzipiert, da sich dabei jeweils zwei Gruppen bilden lassen, in denen 3 Spieler Angreifer sind und 2 Verteidiger.


In den ersten Übungen sollen die Spieler lernen, ihre Positionen nach der Dreiecksaufstellung und der Position des Ballbesitzers auszurichten. Dabei wird sich sehr schnell das Grundelement dieser Unterzahl-Verteidigung herausstellen, nämlich der ständige Wechsel von Verteidigung des Mannes mit Ball (MmB) und des Absinkens in die Helfer- und Paßabfängerposition.


Ich möchte dazu folgende Definition einführen: Der „1. Verteidiger “ ist der, der den MmB verteidigt, der „2. Verteidiger“ ist der abgesunkene.


Übersicht


Übung 1:









Abbildung 3

Abb. 3


Damit die Spieler selbst erkennen, daß die Position des zweiten Verteidigers am besten etwa zwischen den beiden nicht direkt gedeckten Spielern ist, sollen sie in der nächsten Übung durch eine Steigerung der Vorgaben selbst das bestmöglichen Verteidigungsverhalten ausprobieren.


Übersicht


Übung 2:









Abbildung 4

Abb. 4


Damit die Spieler diese Grundstellungen auch im Spiel einnehmen können und erkennen, wie wichtig es ist, daß der MmB gedeckt ist, schließt sich nun eine Übung an, die am Korb stattfindet und den Wurf miteinbezieht. Zusätzlich soll den Verteidigern ein Erfolgserlebnis verschafft werden, indem die Angreifer zeitlich unter Druck gesetzt werden, so wie es im echten Spiel ja auch vorkommt. In der nächsten Stufe soll dann auch an den Rebound gedacht werden. Dazu ist zu sagen, daß ein Verteidiger, der direkt am Angreifer steht, diesen auch wie in der normalen Mann-Mann-Verteidigung ausboxen soll, es sei denn er ist äußerst weit vom Korb entfernt. Ist der Verteidiger nicht direkt an einem Angreifer, so muß er abschätzen, welchen der beiden zur Wahl Stehenden er ausboxen soll. Als Kriterien sind dabei zu sehen: Die Entfernung zwischen dem Verteidiger und dem Angreifer und die Entfernung des Angreifers vom Korb. Letztendlich liegt die Wahl beim Spieler.


Übersicht


Übung 3:











Abbildung 5 Abbildung 6

Abb. 5


Abb. 6




Die Spieler sollten nun wissen, wie sie gegen die Dreiecksaufstellung, wenn sie einmal steht zu verteidigen haben. Im Spiel ergibt sich natürlich die Situation so, daß die Angreifer (und auch die Verteidiger) sich noch auf dem Weg zum Korb befinden und sich erst aufstellen müssen. Auch hier gibt es zwei Grundsituationen:



Beim 1. Fall stellen die Verteidiger sich hintereinander in „Tandemstellung“ auf. Dabei sollte der kleinere, beweglichere Spieler vorne anfangen, während der größere, langsamere Spieler hinten ist. Der vordere Verteidiger attackiert den MmB. Gelingt es ihm hierbei, den Dribbler noch weit vor der 3-Punkte-Linie zu stoppen und ihn zu zwingen, den Ball aufzunehmen, so soll er absinken und einen Mann direkt verteidigen, während sein Mitspieler den anderen deckt. Ist die Situation jetzt so, daß der MmB nicht mehr passen kann, sondern auf die übrigen Angreifer (und damit auch auf die Verteidiger) warten muß, haben die Verteidiger schon gewonnen.


Beim 2. Fall stellen sich die Spieler nebeneinander auf (Gespann), und der Verteidiger auf der Ballseite greift den Dribbler an.


Als weiteres Element kommt hinzu, daß die Angreifer auch zum Korb ziehen und ihre Positionen verändern dürfen. Natürlich muß hier der 2. Verteidiger besonders aufpassen, daß er am Ball helfen kann. Mit den Prinzipien, die bisher erlernt worden sind und etwas Eigeninitiative der Spieler müßten sich die meisten Situationen bewältigen lassen, auch wenn es keine konkreten Bewegungsschemen in allen Fällen für die Verteidigung gibt.


Übersicht


Übung 4:









Abbildung 7

Abb. 7


Das einzige Element, das in dieser Übung noch nicht enthalten ist, ist das Zurücklaufen der Verteidigung selbst und das anschließende Aufstellen in die Verteidigungspositionen. Dies dürfte von der Theorie her keine besonderen Schwierigkeiten machen und muß daher nur noch geübt werden.


Übersicht


Übung 5:



Jetzt sollten die gesteckten Ziele erreicht sein und die Spieler im Spiel in einer solchen Unterzahl-Situation richtig reagieren können.


Zum Abschluß des Trainings werden 3 Mannschaften zu 3, 3 und 4 Spielern aufgeteilt.


Übersicht


Übung 6:



Bei vielen der Übungen sind fast alle Spieler in Bewegung, ohne kurze Pausen können die Übungen nicht mit der nötigen Intensität durchgeführt werden.


Die Stunde soll folgenden Verlauf haben:
























































Zeit Übung Ziel / Neues Element
3 min 1 Umschalten vom 2. zum 1. Verteidiger
3 min 2 a Vertraut-Werden mit 3-2 Situation
6 min DEHNEN
4 min 2 b Ballbesitzer eng decken
3 min 2 c Position des 2. Verteidigers
5 min 3 a Wurfverteidigung
3 min 3 b Rebound, Ausboxen
2 min PAUSE
7 min 4 Verteidigung gegen bewegten Angriff
4 min 5 Zurücklaufen in Verteidigung
2 min PAUSE
ca 8 min 6 Anwendung in spielerischer Form

Für die Übungen werden zwei Bälle und ein normales Basketball-Feld benötigt.


Literatur zu diesem Thema gibt es kaum, ich habe nur benutzt:


„Basketball-Handbuch“ von


Hagedorn / Niedlich / Schmidt


Die hier vorgestellten Übungen und Bewegungsprinzipien stammen aus meiner eigenen Trainingspraxis als Spieler unter Helmut Rödl, dem ich hiermit danken will.



Gregor Gramlich
Auf der Rosenhöhe 34 B
63069 Offenbach
EOSC Offenbach

gramlich@eosc.de





Offenbach, im Juni 1992

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