Basketball Co@ches Corner

von Günter Steppich

1-1 Angreiferschulung – 1

Prüfungslehrprobe zum Basketball-C-Trainer-Lehrgang, CA 187 HE, 1987, Günter Steppich

Schulung des Angreifers im Spiel 1:1
Schwerpunkt: Finten

1. EINLEITUNG

 

1.1. Diskussion und Definition des Themas.

 

Im Spiel 1:1 bieten sich verschiedene Täuschungsbewegungen an, die entsprechend der jeweiligen Spielsituation und in Abhängigkeit von der Spielstärke des jeweiligen Gegenspielers, aber auch im Sinne der Stärken und Schwächen des Ausführenden anzuwenden sind. Finten können sowohl vom Angreifer als auch vom Verteidiger benutzt werden. Sie haben den Zweck den Gegenspieler zu einer bestimmten Reaktion zu verleiten, die ihn in eine ungünstige Situation (Position/Haltung) gegenüber dem Täuschenden bringt, wodurch dieser seine Aktion weitgehend unbehindert ausführen kann. Jede im Spiel vorkommende Handlung kann als Täuschung verwendet werden. Entscheidend ist dabei, daß der reagierende Spieler die Finte nicht als solche erkennt, sondern das zur Täuschung verwendete Verhalten als ‚echt‘ interpretiert.

 

Diese Lehrprobe wird sich ausschließlich mit den Finten des Angreifers befassen.Es muß jedoch gesagt werden, daß diese Trennung nur in der ersten Lernphase erfolgen kann, denn die hohe Schule des Fintierens lernt der Angreifer erst in der direkten Auseinandersetzung mit dem Gegenspieler, der seinerseits täuscht,z.B. durch scheinbares Eingehen auf eine Täuschung.

 

1.2. Ziele der Trainingseinheit

 

Wichtig ist, daß die Finte nicht um ihrer selbst Willen, sondern nur in einer sinnvollen, d.h. a) glaubwürdigen und b) sinnvollen Situation angewendet werden soll. Es ist daher darauf zu achten, daß Finten nicht ausschließlich als motorische Stereotype in Verbindung mit bestimmten Folgehandlungen ‚automatisiert‘ werden, sondern daß ihre situativ richtige, flexible, in gewissem Sinne ‚kreative‘ Anwendung gelernt wird (eine in Verbindung mit einem Durchbruch einstudierte Wurffinte auf Höhe der Mittellinie wird in den seltensten Fällen erfolgreich sein). Im ungünstigen Fall kann sich eine automatisierte, falsch angewendete Finte auch negativ auswirken. Oft geben Spieler durch überflüssige Täuschungen den schon herausgearbeiteten Vorteil wieder auf. (z.B. ‚pump-fake‘ unter dem Korb, obwohl kein Gegenspieler in ‚gefährlicher‘ Nähe ist, oder Wurftäuschung und Durchbruchversuch vom Flügel,obwohl der Verteidiger zwei Meter entfernt steht). Die eigentliche Schwierigkeit (und damit die Kunst) des Fintierens liegt also nicht so sehr in der Beherrschung der technischen Fertigkeit, als vielmehr in der kognitiven Fähigkeit, die Situation richtig einzuschätzen und die Folgehandlung nach demVerhalten des Gegenspielers zu richten, vor allem, wenn dieser in einer andernfalls der erwarteten Weise reagiert. Oft ist keine Finte immer noch besser als eine falsche oder schlecht ausgeführte Finte, durch die sich der Ausführende selbst in eine ungünstige Situation manövriert. Ziele der Schulung von Täuschbewegungen des Angreifers sind also (in dieser Reihenfolge):

 

  1. die Bewegungsoptimierung als motorisches Stereotyp, im Sinne einer technisch richtigen Ausführung und
  2. die Bewegungsdifferenzierung als dynamisches Stereotyp, um die variable, situationsgerechte Anwendung der erlernten Fertigkeit zu gewährleisten.

 

Nur die Verwirklichung beider Teilziele gewährleistet die Glaubwürdigkeit und damit die Wirksamkeit einer Finte. Das Verhältnis dieser Teilziele innerhalb einer Trainingseinheit richtet sich nach dem Könnensstand der Spieler.

 

1.3. Inhaltliche Überlegungen

 

Die Täuschungsmöglichkeiten des Angreifers lassen sich wie folgt gliedern:

 

a. ohne Ball

 

 

b. mit Ball

 

 

Hat ein Spieler bereits gedribbelt, reduzieren sich seine Möglichkeiten zwangsläufig auf Paß-, Wurf- und Sternschrittäuschung. Da all diese Inhalte nicht in einer Trainingseinheit abgehandelt werden können, muß eine Auswahl aus obigem Angebot getroffen werden. Zunächst einmal wird die Situation so eingegrenzt, daß sie sich im Vorfeld im korbgefährlichen Raum abspielt, der sich natürlich nach dem Leistungsvermögen der Spieler richtet. Es wird eine Situation gewählt, in der a) das Fintieren sowohl mit als auch ohne Ball geschult werden kann und b) verschiedene Finten möglich sind.

 

Die Übungsreihe wird mit allen Spielern durchgeführt, also mit Centern, Flügel-und Aufbauspielern. Die Situation ist folgende:

 

Spieler-ohne-Ball wird mit Hilfe einer Täuschung zum Spieler-mit-Ball; Ziel:Ballerhalt außerhalb des Drei-Sekunden-Raums/Pivotieren zum Korb/Finte +Folgeaktion.

 

In der Situation Spieler-mit-Ball sollen Durchbruch-, Paß- und Wurffinten erarbeitet werden. Grundlegende technische Elemente des Angriffs wie Fangen,Passen, Dribbeln, Pivotieren und Werfen sind natürlich Voraussetzung für das Erlernen von Finten.

 

1.4. Methodische Überlegungen

 

Die Trainingseinheit muß nach den Prinzipien der Trainingslehre – vom Leichten zum Schweren, vom Bekannten zum Unbekannten, vom Einfachen zum Komplexen -gestaltet werden. Da dies relative Begriffe sind, muß sich die Gestaltung der Übungsreihe nach dem (mir unbekannten) Könnensstand der Trainingsgruppe richten.Danach entscheidet sich, ob die einzelnen Übungsformen ohne, mit halbaktivem oder aktivem Verteidiger durchgeführt werden. Das gleiche gilt für die Dauer der einzelnen Übungen. Das Weitergehen zu einer komplexeren Form kann erst erfolgen,wenn die vorhergehende Übung genügend beherrscht wird. Wird eine Aufgabe nicht bewältigt, muß ein Schritt zurückgegangen werden. Feste Zeiten für die einzelnen Übungen der Reihe Zeiten können daher nicht genannt werden. Es wäre ein schwerer Fehler, die geplante Trainingseinheit um jeden Preis ‚durchziehen‘ zu wollen,ohne den Lernfortschritt der Spieler zu berücksichtigen. Die im Hauptteil dargestellte Übungsreihe kann höchstwahrscheinlich in dieser Trainingseinheit nicht komplett durchgeführt werden. Grundsätzlich sollte man lieber zu viele als zu wenige Übungen parat haben, um sich der Situation besser anpassen zu können.Elemente die nicht geübt werden konnten, können in der nächsten Trainingseinheit erarbeitet werden. Die Frage, wieviele Korbanlagen verwendet werden, richtet sich nach der Anzahl der Spieler. Es ist von Vorteil, alle Spieler an einem Korb zu haben, um zu Beginn auftretende Fehler sofort korrigieren zu können. Man kann auch an zwei Körben arbeiten, und die Spieler im Kreisverkehr rotieren lassen,sodass ebenfalls alle Übenden kontrolliert werden können. Ich bevorzuge letztere Organisationsform, da man an dem einen Korb auf der rechten, am anderen auf der linken Seite üben lassen kann.

 

2. STUNDENVERLAUF Zeit
Einstimmung:
1) Kurze Ansprache des Themas, Skizzierung des Stundenverlaufs.
2) Freies Dribbling durch die Halle, Passen an die Wand, Fangen in der Bewegung, Stop, vorderer Sternschritt, weiterdribbeln.
3) Stretching
4) Ein Teil der Spieler befindet sich mit je einem Ball in abgegrenztem Feld der Halle (Ausbrecher), die anderen stehen auf den Linien dieses Feldes (Wächter). Die Ausbrecher versuchen aus ihrem Feld herauszukommen, ohne von einem Wächter berührt zu werden. Ein Fuß des Wächters muß immer auf der Linie sein. Wer ausgebrochen ist, macht einen Korbleger an einem beliebigen Korb, übergibt danach seinen Ball einem Wächter. Beide tauschen die Rollen.
ca.15 min
Hauptteil:
1) Außen freimachen mit kleiner Finte (Körper-, Schrittäuschung), Fangen, vorderer Sternschritt auf dem Innenfuß, SPD-Position, (Korb bedrohen), zurückpassen.
2) wie 1), aber freimachen mit V-CUT
3) wie 2), + 1 Dribbling (Kreuzschritt), Korbleger.
4) wie 3), aber Dribbling nach innen (Paßgang), (Sprung-)Wurf.
In den folgenden Übungen folgt auf die Finte wahlweise Kreuzschrittdurchbruch außen (mit Korbleger) oder Paßgang-Dribbling nach innen (mit Sprung-/Standwurf).
5) wie 4), aber vor Dribbling Wurffinte.
6) wie 5), aber vor Dribbling Durchbruchsfinte
7) wie 6), aber vor Dribbling Paßfinte zum Zuspieler
8) wie 7), aber vor Dribbling wahlweise Finten aus 5/6/7.
9) Außen freimachen, dann Backdoor schneiden, Fangen, Wurffinte, Wurf.
10) 1:1+1.
Dem Angreifer steht nur der Platz bis zur gedachten Korb-Korb-Linie zur Verfügung, sowohl zum Freimachen, als auch zur Aktion mit Ball. Rotation:Zuspieler, Angreifer, Verteidiger. Der Trainer entscheidet, wie aktiv der Verteidiger sein soll. Alternative: Der Trainer ‚verteidigt‘, der Angreifer muß die Verteidigung lesen und nach 2-10 handeln (Der Trainer kann sein Abwehrverhalten besser auf das Können des Spielers abstimmen als ein Mitspieler).
Die zeitliche Dauer der einzelnen Übungen richtet sich nach dem Lernfortschritt.Je komplexer die Aufgaben werden, desto mehr Zeit benötigen sie. Auf jeden Fall sollte am Schluß der Einheit das Spiel 1:1+1 stehen, unabhängig davon, wie weit man in der Übungsreihe gekommen ist. Das Erproben des Durchgenommenen im Spiel1:1 verdeutlicht erst den Zweck des Ganzen. Vermutlich wird zumindest Übung 9)dem zeitlichen Rahmen zum Opfer fallen. Auch Übung 8) kann übersprungen werden,da deren Inhalte in 10) erarbeitet werden können.
ca.25 min
Ausklang:
-Spiel 2:2 oder 3:3, Vorgabe: aggressive Manndeckung.
ca. 10 min
Stretching ca. 10 min

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