Basketball Co@ches Corner

von Günter Steppich

Die Sprache der Auszeit

von Thorsten Skibbe

Torsten Skibbe schrieb seine Examensarbeit über das Thema:

„Sprachverhalten von Trainern in Basketball-Auszeiten“

Im folgenden fasst er die Ergebnisse dieser Untersuchung zusammen, die komplette Arbeit kann als => zip-Datei (385kb, enthält Word 6.0-doc) heruntergeladen werden:

Ziel dieser Untersuchung war es, die Kommunikationsprozesse in einer Basketballauszeit näher zu beleuchten, Probleme in der sprachlichen Interaktion Trainer-Spieler aufzuzeigen und davon ausgehend zu überlegen wie Verbesserungsvorschläge aussehen könnten.

Das Problem in der Auszeit im sprachlichen Bereich liegt sicher in einer oft unzureichenden Steuerung des Sprachgebrauchs.

Wie HILDENBRANDT (1984) feststellt, wird Sprache „… eher unbewußt und inflationär als immer schon vorhandenes und fertiges- und damit unkorrigierbares- Instrument eingesetzt. “

Dies bestätigen auch die Ergebnisse der hier vorliegenden Untersuchung.

Die Spieler sehen sich häufig mit nicht informativen, unvoll-ständigen und floskelhaften Traineräußerungen konfrontiert, mit Aussagen, die aus Leerformeln und Allgemeinplätzen bestehen, dem Spieler somit keine verwertbaren Informationen liefern.

Weiterhin scheint den Trainern nicht bewußt zu sein, unter welchen situativen Bedingungen eine Auszeit oftmals erfolgt.

Unabhängig vom eigenen emotionalen und körperlichen Stress, scheint manchen Trainern zu entgehen, daß die Aufmerksamkeit der Spieler während des Spiels stark beansprucht wird, da „… der Basketballspieler zu gleicher Zeit auf den Ball, den Gegner, seine Mitspieler und den Korb achten, dabei aber auch seine eigenen Bewegungen kontrollieren und seine taktischen Handlungen auf die jeweilige Situation abstimmen…“ muß. Dieser ständige Wechsel von situationsgebundenen Handlungen erfordert ein „äußerst schnelles Umschalten in Richtung der Aufmerksamkeit.“

In der Auszeit wird von den Spielern erwartet, daß sie ihre Aufmerksamkeit vom Spielgeschehen weg auf die sprachlichen Akte des Trainers richten. Dies fällt umso schwerer „… je intensiver sie vorher war und je weniger die neuen Objekte oder die neue Tätigkeit ihrerseits in der Lage sind, die Aufmerksamkeit zu fesseln.“ Erschwerend kommt hinzu, daß die Aufmerksamkeit in besonderem Maße intraindividuellen Schwankungen wie z.B. Ermüdung unterliegt.

Gerade in Spielen, in denen die Spieler physisch und psychisch stark beansprucht werden, verlangen diese Fakten von den Trainern eine sprachliche Gestaltung der Auszeit, die den Spielerbedürfnissen angepaßt ist.

Was könnten nun Elemente einer solchen angemessenen Sprachgestaltung sein? Die nachfolgenden, als Hypothesen formulierten Punkte stellen das Resultat der vorliegenden Untersuchung dar und sind als zusammenhängende Optimierungspunkte bezüglich der inhaltlichen Auszeitgestaltung zu verstehen.

a.) Die statistische Auswertung und die Trainerinterviews deuten analog zu VOIGT (1980, 42) darauf hin, „… daß die Informationsmenge, die Spieler während einer Auszeit aufnehmen und verarbeiten, äußerst gering ist.“ Deshalb scheint es angebracht, daß sich der Trainer auf wenige konkrete Aussagen beschränkt. Es kann nicht darum gehen, die Spieler in der Auszeit mit Informationen zu überschütten. Der Trainer sollte die Informationen, die er sich aufgrund seines Ist-Soll-Wert Vergleichs zurecht- gelegt hat, und deren Vermittlung er für unverzichtbar hält, an die Spieler weitergeben.

Benötigt er hierfür weniger als die ihm zustehenden 60 Sekunden, scheint es sinnvoll den Spielern die bis zum zweiten akustischen Signal verbleibende Zeit zur physischen Regeneration zur Verfügung zu stellen. Ist der Trainer mit dem Spiel seiner Mannschaft im wesentlichen zufrieden, sollte er keinesfalls nur aus dem Gefühl heraus, die Zeit nutzen zu müssen, sprachliche Akte produzieren.

b.) Um eine optimale Informationsaufnahme bei den Spielern zu erreichen sollten seine Äußerungen korrekt formuliert und gut gegliedert vorgetragen werden. Hierbei sollte besonderes Augenmerk auf die Tatsache gerichtet werden, daß jeder Spieler weiß, ob ein einzelner Spieler oder die gesamte Mannschaft gerade angesprochen wird. Weiterhin sollten größere Erweiterungen des Sprechplans vermieden werden, wenn der Verbalisierungsprozess bereits läuft. Äußerungen dieser Art erfordern vom Adressaten ein Maß an Auffassungsfähigkeit, das er unter Umständen in der entsprechenden Situation nicht leisten kann. Schließlich sollte der Trainer darauf achten, die Bereiche Angriff/Verteidigung getrennt anzusprechen. Sprünge zwischen diesen Bereichen erschweren den Spielern die Informationsaufnahme unnötig.

c.) In den untersuchten Auszeiten konnte beobachtet werden, daß die Spieler im Normalfall nicht mit Rückfragen auf unklare Äußerungen des Trainers reagieren. Dadurch hat der Trainer nicht die Möglichkeit sein Sprachverhalten über das Verhalten seiner Spieler zu kontrollieren. Der Trainer muß sich deshalb im Zusammenhang mit seinen Äußerungen auf eine korrekte Sprechplanbildung, wenn möglich schon vor der Auszeit, konzentrieren. Er muß selber bewußt aufnehmen, was er an sprachlichen Akten produziert. Dabei können kleine Pausen zwischen abgeschlossenen Äußerungseinheiten durchaus hilfreich sein. Der Sprechplan kann so bewußter gebildet werden, was mit Sicherheit die Anzahl der unvollständigen/ ungerichteten Aussagen verringern würde.

d.) Wesentlich stärker als in der Untersuchung festgestellt, sollte das aufmunternde Lob, geäußert in einem von den meisten Spielern erwarteten ermunternden-dynamischen Ton als Mittel zur Motivation des einzelnen Spielers wie der gesamten Mannschaft eingesetzt werden.

In den Ergebnissen dieser Arbeit wird aufgezeigt, daß die Auszeit von Bundesliga bis Kreisliga nur sehr bedingt als eine zielgerichtete, bewußt geplante und effektive Maßnahme der Spielsteuerung gehandhabt wird. Hier sind Verbände und andere Ausbildungsinstitutionen aufgerufen, im Rahmen der Trainerausbildung Maßnahmen zu ergreifen, die die Praxis der Auszeitgestaltung zum Positiven verändern.

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