Basketball Co@ches Corner

von Günter Steppich

Funktionelle Verbände – Tapekurs

 


Ein kleiner Tapekurs im Rahmen der C-Trainerausbildung des NBV 1992 in Osnabrück
Katja Frommhold & Jörg Licher, 11. Juli 1992


Inhaltsverzeichnis


1. Was ist ein funktioneller Verband


2. Grundlagen für das Tapen


3. Hauptelemente eines jeden Tapes


A. Klassischer Sprunggelenkverband


B. Schlingenverband für das Daumengrundgelenk


C. Flexible Fingerschiene


D. Entlastungsverband für das Fingermittelgelenk


1. Was ist ein funktioneller Verband


Gegenüber den Erste-Hilfe-Verbänden haben die Stützverbände oder funktionellen Verbände (im weiteren Verlauf Tapes genannt) die Aufgabe, die anatomischen Gegebenheiten des Bewegungsapparates zu unterstützen und damit dem Sportler die Belastungsfähigkeit zu erhalten oder Verletzungen vorzubeugen. Sie werden angewandt zur Vermeidung von Belastungsbeschwerden bei Sportschäden, z. B. bei Knochenhautentzündung am Schienbein (Periostitis), zur Kompensierung von anatomischen Fehlstellungen oder Minderentwicklungen (Spreizfuß, angeborene Bänderschwäche), zur Stabilisierung von Gelenken nach Bandverletzungen und zur Vermeidung von Gelenkverstauchungen.


Gegenüber den zirkulär und kurzfristig angelegten Erste-Hilfe-Verbänden folgen die funktionellen Verbände in erster Linie dem anatomischen Bandverlauf eines Gelenks, sie sind mit wenigen Ausnahmen ungepolstert anzulegen und müssen für eine Belastungszeit von mindestens zwei Stunden nicht verrutschend fixiert bleiben.


2. Grundlagen für das Tapen


Beim Anlegen jedes Tapeverbandes müssen einige wichtige Punkte in zeitlicher Abfolge beachtet werden.


Diagnose: Die exakte, klare Diagnose durch den Arzt ist die selbstverständliche Grundvoraussetzung für einen Tapeverband. Nur durch die eindeutige Feststellung der Funktionsstörung kann die Basis für einen funktionellen Verband gelegt werden.


Bei unklarer Diagnose niemals tapen!


Weil bei prophylaktischen (vorsorglichen) Verbänden eine gefährdete, aber nicht gestörte Struktur geschützt werden soll, ist hier eine Diagnose nicht erforderlich; der Verband wird funktionsgerecht angelegt.


Indikation, Behandlungsziel: Eine klare eindeutige Bestimmung des Behandlungszieles folgt der Diagnose und legt die Art des Verbandes sowie die Auswahl des Materials fest.


Lagerung: Es sollte immer die bestmögliche Lagerung für Patient und Therapeut (hier Spieler und Trainer) angestrebt werden, so dass der Patient nicht unnötig belastet wird und der Therapeut frei arbeiten kann.


Material: Das Material muss in entsprechender Qualität und Menge in Griffweite vorbereitet sein.


Hautbehandlung: Die Haut muss auf die Belastung durch den Verband entsprechend vorbereitet sein und ggf. geschützt werden.


Gelenkposition bestimmen: Bestimmung und evtl. Korrektur der Gelenkposition, abgestimmt auf den schmerzfreien Bereich und die Schmerzsituation, erfolgen vor dem Anlegen des Verbandes. Dabei sind Be- und Entlastung zu beachten. Ausgangsbasis ist die Null- bzw. Funktionsstellung der Gelenke. Diese sind individuell unterschiedlich und können bei Sportlern erheblich von Normwerten abweichen. Prophylaktische Verbände orientieren sich an der zu erwartenden Belastung.


Fixierung der Gelenkposition: Die Gelenkposition wird für jeden Verband, abgestimmt auf die jeweilige Position, neu eingestellt. Der Patient hält die vorgegebene Gelenkposition aktiv, ggf. kann passiv unterstützt werden. Während des Anlegevorgangs darf die Position nicht geändert werden. Ausnahme sind Verbände, die in Entlastung begonnen und in Belastung beendet werden.


Schnelles, exaktes Anlegen: Nicht nur funktionelle, sondern auch optisch ästhetische Aspekte sollten beim Anlegen des Verbandes berücksichtigt werden. Jeder Verband ist für den Patienten wie ein Kleidungsstück und für den Therapeuten als Visitenkarte anzusehen.


Prüfung des Verbandes: Jeder Verband muss nach dem Anlegen unter aktiver Belastung auf seine Festigkeit und Funktion hin überprüft werden. Dabei steht die schmerzfreie Belastungsebene im Vordergrund. Evtl. kann eine kurzzeitige Belastung, z. B. durch Gehen, und die anschließende Überprüfung des Verbandes von Nutzen sein.


Schonendes Abnehmen: Jedes Abnehmen eines Verbandes belastet die Haut mehr oder weniger stark. Der Verband sollte deshalb so schonend wie möglich abgenommen, bzw. gewechselt werden. Bei extrem sensiblen Patienten kann der Verband ggf. mit Benzin aufgeweicht werden, die Reste der Klebemasse lassen sich leicht mit Benzin entfernen.


3. Hauptelemente eines jeden Tapes


Ankerstreifen: Ankerstreifen sind die ersten Elemente des Verbandes, an denen die Zügel aufgehängt werden. Sie liegen an den Enden des Verbandes und werden ohne Zug angelegt. Ihre Laufrichtung wird durch die funktionellen und anatomischen Gegebenheiten bestimmt.


Basistouren: Basistouren werden als Grundverband angelegt, wenn zusätzlich eine Kompressionswirkung erreicht werden soll.


Zügel: Zügel sind die tragenden Teile des funktionellen Verbandes. Durch die Zügel wird die Funktion des Verbandes bestimmt, sie entlasten Muskeln, Bänder und Innenstrukturen sowie andere Gelenkanteile und führen Bewegungen. Ihre Anzahl, ihr Verlauf sowie die Art der Zügel richten sich nach der Anatomie, der Indikation und der Größe des Gebietes.


Fixierstreifen: Mit Fixierstreifen werden die Zügel, die teilweise unter Zug stehen, Lage für Lage auf den Ankerstreifen befestigt, so dass sich die Zügel nicht ablösen können. Fixierstreifen werden meist semizirkulär angelegt und verlaufen in der Regel quer zu den Zügeln.


Verschalungsstreifen: Durch Verschalungsstreifen wird der Verband geschlossen. Durch sie bekommen die Zügel untereinander einen festen Halt, und der Verband erhält eine feste, geschlossen Hülle.


A. Klassischer Sprunggelenkverband


Funktion des Verbandes
o Stabilisiert das obere und untere Sprunggelenk in seiner physiologischen Funktionsebene
o Wirkt komprimierend auf Hämatome (Blutergüsse).


Indikation
o Mittelschwere Distorsion (Zerrung) des Sprunggelenks
o Überdehnung des fibularen (im Bereich des Wadenbeins) Bandapparates
o Kapseleinrisse
o Bandinsuffizienz (Bänderschwäche)


Kontraindikationen:
o Komplette Bandrupturen (Bänderrisse)
o Knöcherne Bandausrisse
o Gelenkfrakturen (Brüche)
o Massive, ausgedehnte Hämatome (Blutergüsse)


Anlegen des Verbandes:



B. Schlingenverband für das Daumengrundgelenk


Funktion des Verbandes
o Einschränkung aller Funktionen des Daumengrundgelenks
o Stabilisierung der Seitenbänder
o Entlastung der Gelenkkapsel


Indikation
o Überdehnung des Kapsel-Band-Apparates des Daumengrundgelenks
o Zerrungen des Kapsel-Band-Apparates des Daumengrundgelenks
o Insuffizienzen (Schwächen) des Kapsel-Band-Apparates des Daumengrundgelenks
o Überlastungsreize der Gelenkkapsel


Kontraindikation
o Komplette Bandrupturen (Risse)
o Frakturen (Brüche)
o Massive Kapselrisse
o Massive Schwellungen, ausgeprägte Hämatome (Blutergüsse)
o Frische Verletzungen


Anlegen des Verbandes:



C. Flexible Fingerschiene


Funktion des Verbandes
o Fixierung des verletzten Fingers am benachbarten unverletzten Finger
o Extensions- (Streckung) und Flexionseinschränkung (Beugung)


Indikationen
o Distorsionen (Verstauchungen) der Fingermittelgelenke
o Kontusionen (Quetschungen) der Fingermittelgelenke
o Überlastungsreize der Fingermittelgelenke
o Insuffizienter (schwacher) Kapsel-Band-Apparat der Fingermittelgelenke
o Zerrung der Seitenbänder der Fingermittelgelenke


Kontraindikationen
o Komplette Bandrupturen (Risse)
o Frakturen (Brüche)
o Massive Schwellungen, ausgeprägte Hämatome (Blutergüsse)
o Offene Verletzungen
o Schlecht primär versorgte Verletzungen


Anlegen des Verbands:



D. Entlastungsverband für das Fingermittelgelenk


Funktion des Verbandes
o Stabilisierung der Kollateralbänder, lateral und medial (innere und äußere Seitenbänder))
o Starke Extensionseinschränkung (Streckung) bei geringer Flexionseinschränkung (Beugung)


Indikationen
o Distorsionen (Verstauchung) der Fingermittelgelenke
o Kontusionen (Prellung) der Fingermittelgelenke
o Überlastungsreize der Fingermittelgelenke
o Insuffizienter (schwacher) Kapsel-Band-Apparat der Fingermittelgelenke
o Zerrung der Seitenbänder der Fingermittelgelenke


Kontraindikationen
o Komplette Bandrupturen (Risse)
o Frakturen (Brüche)
o Massive Schwellungen, ausgeprägte Hämatome (Blutergüsse)
o Offene Verletzungen
o Schlecht primär versorgte Verletzungen


Anlegen des Verbandes:



Literatur:


[1] Hans-Uwe Hinrichs, Sportverletzungen, Rohwolt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1986


[2] Hans-Jürgen Montag, Peter D. Asmussen, Taping-Seminar, Perimed Fachbuchverlag, Erlangen, 1988


[3] Kurt Tittel, Beschreibende und Funktionelle Anatomie des Menschen, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 1985

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