Basketball Co@ches Corner

von Günter Steppich

Koordinationstraining im Basketball – kritische Betrachtung der Trainingspraxis

Zielstellung


Das Basketballspiel weist einige funktionelle Besonderheiten auf, die gerade im koordinativ-technischen Bereich im Vergleich zu anderen Sportspielen zu erhöhten Anforderungen führen und es zweifellos zu einem der koordinativ anspruchsvollsten Sportspiele überhaupt machen. Basketballer sind darüber hinaus in der Regel akzelerierte Spieler, die durch ihre konstitutionellen Voraussetzungen oft große Schwierigkeiten in der Bewegungssteuerung und Handlungsregulation haben.


Aus diesen Annahmen leiteten wir die Zielstellung einer Untersuchung ab, die wir in den Jahren 1997/98 im leistungsorientierten Nachwuchsbereich des Deutschen Basketball Bundes (DBB) durchgeführt haben:



Den aktuellen Stand der koordinativen Ausbildung im deutschen Leistungsbasketball-Nachwuchstraining zu erfassen und


die Ergebnisse einem kritischen Vergleich mit neuesten Erkenntnissen der Koordinationsforschung zu unterziehen.


Worin liegen die funktionellen Besonderheiten des Basketballspiels und in welchem Zusammenhang stehen sie mit den erhöhten koordinativ-technischen Anforderungen ?



Das Ziel (Der Korb) ist übersprunghoch und horizontal angebracht, frei zugänglich, aber im Vergleich zur Ballgröße relativ klein.


Durch die Lage und Größe des Korbes bedingt ist eine hohe Flugkurve des Balles vonnöten, wobei sich Blick- und Wurfrichtung oft beträchtlich unterscheiden. Das Zielen auf den Korb ist daher nicht im „Verfahren des direkten Richtens“ möglich, sondern erfordert ein ständiges Variieren der Wurfparabel. Diese schwierige Kopplung wird u.a. noch dadurch erschwert, daß der Spieler die Ein- und Ausfallswinkel des Balles am Brett, mögliche defensive Maßnahmen von Gegnern und seine in Richtung und Tempo oft unterschiedliche Eigenbewegung antizipieren und in die technisch komplexe Wurfbewegung mit einbeziehen muß.


Aus schnellkräftigen grobmotorischen und häufig abrupt gebremsten Bewegungen der unteren Extremitäten (Sprints, Stops, Sprünge) muß der Spieler im Korbwurf zu feindifferenzierten Präzisionshandlungen der oberen Extremitäten (Arme, Hände und Finger) übergehen. Außer an die Systeme der Informationsaufnahme und -verarbeitung werden durch diese Kopplung hohe Anforderungen an verschiedene motorische Steuerungseigenschaften gestellt. Komplizierte Schrittfolgen und –rhythmen (z.B. bei den Centern) erschweren regelgerechte Bewegungen.


Die durch verschiedene Zeitregeln (3-, 5-, 10-, 30-Sekunden-Regel) geforderte angriffsorientierte Spielweise erhöht den Handlungsdruck auf die Spieler.


Die gleichermaßen anzustrebende Angriffs- und Abwehrwirksamkeit aller fünf Spieler einer Mannschaft verlangt nach universellen Fähigkeiten der Akteure.


Spezifische Anforderungen an das Koordinationsvermögen werden durch das für zehn Spieler bereits relativ kleine Spielfeld von 28 x 15 m gestellt, das durch Zonenlinien und die Rückfeldregel noch weiter eingeengt wird.


Besonders beschränken die Schritt-, Dribbel- und Foulregeln den Handlungsspielraum der Spieler.


Hohe Präzisionsleistungen sind beim Basketballspiel folglich unter verschiedenen koordinativen Druckbedingungen zu erbringen. ROTH & RAAB (1998) nennen als koordinative Druckbedingungen bei Sportspielen Zeitdruck, Präzisionsdruck, Komplexitätsdruck, Organisationsdruck, Variabilitätsdruck und Belastungsdruck. Diese Leistungen werden bei geringem Handlungsspielraum und meist intensiven gegnerischen Einwirkungen abgefordert (KONZAG/KONZAG 1991).


Zusammenfassend läßt sich also feststellen, daß sich die koordinativen Besonderheiten des Basketballspiels in einer außerordentlich komplexen und variablen Verknüpfung sowie Kopplung unterschiedlicher Anforderungskomponenten unter vielfachen Druckbedingungen ergeben, die zumeist von übergroßen Spielern mit ungünstigen Voraussetzungen zur Bewegungskoordination bewältigt werden müssen.


Legt man diese besonderen Anforderungen an das Koordinationsvermögen des Basketballspielers zugrunde, dann müßte das Koordinationstraining in der Ausbildungspraxis der Vereine und der Auswahlmannschaften der Verbände eine bedeutende Stellung einnehmen.


Im Frühjahr und Sommer 1997 wurde eine schriftliche Befragung unter deutschen Jugend-Basketballtrainern durchgeführt. Das Augenmerk lag dabei auf dem D- und -C-Jugendalter (11 – 15 Jahre), weil in diese Etappen des Grundlagen- und Aufbautrainings die meisten Sichtungs- und Fördermaßnahmen der Verbände und bereits wichtige Wettkampftermine fallen. Darüber hinaus zeichnet sich das späte Schulkindalter (11 – 13 Jahre) und die erste puberale Phase (13 – 15 Jahre) der Ontogenese als besonderer Entwicklungszeitraum für die Herausbildung koordinativer Fähigkeiten aus. Im deutschen Basketball-Nachwuchstraining liegt in diesem Alter zudem ein Schwerpunkt der technisch-taktischen Grundlagenausbildung.


 


 

 Zur Untersuchungsmethodik

In die Untersuchung waren insbesondere die Landesverbandstrainer der 16 Landesverbände des DBB, die Jugendvereinstrainer der Zwischenrunde 1997 zur Deutschen Meisterschaft männlich und weiblich C sowie weitere erfolgreiche Vereins- und Schultrainer einbezogen.


Mehr als zwei Drittel der beantworteten Fragebögen stammte von Trainern mit DBB-A- oder -B-Lizenz, unter ihnen vier Diplomtrainer. Der Rücklauf der Fragebögen betrug 57,4 Prozent aus 14 Bundesländern mit den Schwerpunkten Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen.


 


Zum Inhalt der Befragung:


Dem Fragebogen war eine ausführliche Einleitung über Ziel- und Problemstellung des Vorhabens vorangestellt. Durch die Befragung sollte ermittelt werden, wie leistungsorientierte Basketballtrainer die Bedingungen und ihre methodische Vorgehensweise auf dem Gebiet des Koordinationstrainings reflektieren. Folgende Fragenkomplexe wurden behandelt:



Einordnung führender koordinativer Elemente des Basketballspiels und ihre Gewichtung


Methodische Fragen der effektiven Herausbildung basketballrelevanter koordinativer Fähigkeiten (Häufigkeit koordinativer Übungen, Integration in das Basketballtraining, Zeitraum und -dauer, Differenzierung nach Spielerpositionen oder dem Stand der Akzeleration)


Fragen der Steuerung des Koordinationstrainings (Zeit-, Präzisions-, Komplexitätsdruck, Symmetrieanforderungen oder besondere psychophysische Beanspruchungen)


Evaluation des koordinativen Fähigkeitsniveaus.


 


Ergänzend zur Fragebogenaktion wurde 1998 eine Dokumentenanalyse der gültigen Nachwuchs-Leistungssport-Konzeptionen bzw. Rahmentrainingspläne deutscher Basketball-Fachverbände (DBB und sechs ausgewählte Landesverbände) und des Deutschen Sportbundes (DSB) vorgenommen. Ausgangspunkt dieser Analyse war die Frage, in welcher Weise die „Komponente Koordination der motorischen Handlungskompetenz“ (HIRTZ 1995) in den vorliegenden Konzeptionen auf den Feldern der Talentsuche, Talenterkennung, Talentsichtung, Talentauswahl, Talentförderung und Talentbewahrung Eingang findet. Auch hier lag das besondere Augenmerk auf dem Altersbereich der 11- bis 15-jährigen, die als sogenannte D-Kader in der Förderung vor allem der Bezirks- und Landesverbände, z.T. schon des Spitzenfachverbandes (D/C- und C-Kader) stehen.


 


Zu den Ergebnissen



Fazit der Dokumentenanalyse


Alle Nachwuchs-Leistungssport-Konzeptionen sehen die Komponente Koordination der motorischen Handlungskompetenz als wichtig für die Ausbildung junger Basketballspieler an. Meist wird die koordinative Ausbildung aber dem Konditionstraining zugeordnet und fast ausschließlich am Fähigkeitsprinzip festgemacht (Herausbildung allgemeiner koordinativer Fähigkeiten). Keine der untersuchten Konzeptionen bringt klar zum Ausdruck, welche koordinativen Leistungsvoraussetzungen für das Basketballspiel von Bedeutung sind und wann diese, in welcher Form und mit welcher Intensität geschult werden sollten.


Es fehlt an einer grundlegenden wissenschaftstheoretischen Fundierung eines Basketball-Koordinationskonzepts und es mangelt an Vorschlägen für die Gestaltung eines Koordinations-trainings im Nachwuchs-Basketball (vgl. GLASAUER 1999).


 



Ergebnisse der Trainerbefragung


Zunächst wurde die Bedeutsamkeit verschiedener koordinativer Leistungsvoraussetzungen für das Erreichen einer hohen basketballspezifischen Spielkompetenz im Vergleich zu technischen, taktischen und konditionellen Elementen des Spiels erfragt. Abbildung 1 veranschaulicht die Gewichtung führender koordinativer Elemente aus der Sicht der befragten Trainer.



 


Dabei ist zu erkennen, daß 93,7% aller befragten Trainer ziemlich undifferenziert alle vorgelegten Items als wichtig (41,3%) bzw. sehr wichtig (52,4%) beurteilen. Keine der befragten Fähigkeiten wird signifikant höher eingeschätzt. Bei der offenen Zusatzfrage zu weiteren wichtigen koordinativen Elementen wird eine Begriffsvielfalt und Unsicherheit in der theoretischen Einordnung der praktischen Trainererfahrungen deutlich (zusammengefaßt wurden folgende Elemente genannt: basketballspezifische Lockerungsfähigkeit, intramuskuläre Koordinationsfähigkeit, Auge-Hand-Koordinationsfähigkeit, Kraft-Ausdauer-Koordinationsfähigkeit, Fähigkeit zum Timing, Bewegungsschnelligkeitskoordinationsfähigkeit, Automatisierungsfähigkeit u.a.).


 


Diese relativ undifferenzierte Zustimmung aus der Trainingspraxis zur besonderen Bedeutsamkeit aller im Fragebogen enthaltenen koordinativen Fähigkeiten weist auf einen unzureichenden Kenntnisstand in Bezug auf ihre strukturelle Zuordnung hin. Außerdem zeigt sich ein Theoriedefizit in der Spezifik des basketballerischen Anforderungsprofils.


 


Die Frage nach der Häufigkeit, koordinative Leistungsvoraussetzungen im Training systematisch zu verbessern, beantworten 74,6% der Trainer mit „regelmäßig“ und 25,4% mit „gelegentlich“. Niemand ließ das Koordinationstraining unberücksichtigt.


Die Organisationsformen und methodischen Vorgehensweisen differenzierten sich hingegen im Antwortspiegel deutlich.


In Abbildung 2 ist erkennbar, daß nahezu alle befragten Trainer (98,4%) Koordinationsübungen in das normale Programm einer Trainingseinheit (z.B. in einem Übungsblock von 15-20 Minuten) einfließen lassen oder es ins Technik- oder Konditionstraining (95,2%), z.B. mit schwierigen koordinativen Zusatzübungen, besonders mit Ball integrieren. 60,3% der Trainer wählen Koordinationsübungen für das Aufwärmprogramm.


Auf die Frage nach der Akzentuierung des Koordinationstrainings in einzelnen Trainingsperioden zeigte sich, daß mit 93,7% nahezu alle Trainer eine ganzjährige Schulung bevorzugen.


Besonders interessierte uns die Frage, ob in der Praxis eine Differenzierung des Koordinationstrainings nach Spielerpositionen und Körpergröße der Spieler vorgenommen wird. So differenzieren ihr Koordinationsprogramm nur 12,7% der befragten Trainer nach der Spielerposition, während immerhin 34,9% bei ihren Koordinationsübungen die übergroßen Spieler besonders berücksichtigen.


Interessante Anhaltspunkte zur derzeitigen methodischen Gestaltung des Koordinationstrainings vermittelt auch die Abbildung 3.



Es zeigt sich, daß die Trainer die größte Beachtung der Gestaltung entsprechender Anforderungen an die Genauigkeit (Präzisionsdruck), an den Schwierigkeitsgrad (Komplexitätsdruck) sowie an die Symmetrierung (besonders die Einbeziehung der schwachen Hand) beimessen. Unterschiedliche Meinungen äußerten die Trainer zur Erhöhung der Zeitdrucks, zur Ausschaltung bestimmter Informationsquellen und besonders zur Forcierung physischer Ermüdung. Eher ablehnend beurteilten die Trainer koordinatives Training unter wachsender psychischer Belastung (z.B. unter Androhung bestimmter Sanktionen).


In einer offenen Frage wurde die Einbeziehung und Veränderung folgender Ausführungsbedingungen für wichtig erachtet:



Aufschaltung zusätzlicher Störgrößen (z.B. bei Würfen)


Einschaltung kognitiver Feedbacks durch Gespräche, visuelle Kontrolle u.a.


Differenzierung des Übungsangebots


Automatisierung technisch-taktischer Handlungen mit nachfolgender Konzentration auf Details


Motivationsstärkung durch Wettbewerbscharakter der Koordinationsschulung


Schaffung kreativer Freiräume durch inzidentelle Lernphasen und Förderung der Selbständigkeit.


Des weiteren waren alle befragten Trainer der Auffassung, daß die Entwicklung des koordinativen Fähigkeitsniveaus durch entsprechende Maßnahmen beobachtet und eingeschätzt werden muß. Dabei reichten die Meinungen von der subjektiven Einschätzung durch ständige Beobachtung bis zur Notwendigkeit des Einsatzes standardisierter Tests, etwa für die Nominierung von Kadern.


Bei der Frage, welche Tests sich die Trainer zur Diagnostik koordinativ-motorischer Fähigkeiten vorstellen könnten, ergaben sich zusammengefaßt folgende Auffassungen:



Visuelle Bewegungsanalyse (eventuell videogestützt) in jeder Trainingsphase einschließlich der Wettspiele


Durchführung von Kontrollübungen und Tests, wobei die Vorschläge die fehlende Systematik und die mangelnde theoretische Exaktheit der Literatur widerspiegeln. Insbesondere werden Tests zur Einschätzung koordinativer Voraussetzungen im Basketballspiel sowie Kontrollübungen zur Einschätzung des technisch-taktischen Ausbildungsstandes miteinander vermischt.


Ebenso wurden Teilübungen der verschiedenen Basketballtests des DBB und der Landesverbände angeführt, bei denen jedoch zumeist konditionelle Aspekte dominieren.


Der weitestgehende Vorschlag bezog sich auf die Erarbeitung eines Experten-Ratings zur Beurteilung koordinativ anspruchsvoller technischer Fertigkeiten, die bei Spielformen vom 1:1 bis 5:5 auf Halb- und Ganzfeld eingesetzt werden.


 


Abschließend wurden die befragten Trainer gebeten, Beispiele der von ihnen praktizierten Koordinationsübungen oder ganzer Programme mit Erläuterung der jeweiligen Zielstellung kurz zu beschreiben.


Die Antworten auf diese Frage variierten verständlicherweise sehr stark. Neben äußerst präzisen Beschreibungen fanden sich auch häufig nur knappe Benennungen von Übungsformen. Die nachfolgende Übersicht bemüht sich um eine gewisse Kategorisierung und exemplarische Auflistung.



Unter den allgemeinen sportartübergreifenden Koordinationsübungen wurden immer wieder das Lauf-ABC (Laufschule), Kleine Spiele zur Schulung der Reaktion, der Orientierung, des Gleichgewichtsgefühls, der Arm-Bein-Koordination etc. und das Seilspringen genannt. Hierbei wird besonderer Wert auf die häufige Variation der Übungen, der Spielformen und der Spielmaterialien gelegt. Übungen und Spiele können im übrigen mit und ohne Hand- (Spiel-)gerät, auf der freien Fläche und an Großgeräten erfolgen.


Unter den sportartgerichteten Koordinationsübungen dominieren solche mit dem Basketball. Ballhandling mit einem oder zwei Bällen, verbunden mit Jonglieren, Dribblings, Pässen und Würfen, im Stand und in der Bewegung, häufig unter Aufschaltung von Zusatzaufgaben oder Störgrößen, vielfach zur Distribution der Aufmerksamkeit, sollen die Auge-Hand-, die Hand-Hand- und die Hand-Fuß-Koordination verbessern. Sie haben Motivations-, Voraussetzungs- und Vorbereitungsfunktion. Je stabiler das technische Niveau der Spieler ausgeprägt ist, desto eher können koordinative Druckbedingungen (z.B. Zeit-, Präzisions- und Komplexitätsdruck) zum Einsatz kommen. Übungen mit geschlossenen Augen wurden auch hier desöfteren genannt.


Basketballspezifische Koordinationsübungen bzw. Spielformen besitzen im Training ergänzenden aber auch inhaltlich schwerpunktmäßigen Charakter. Sie werden großteils mit dem Basketball durchgeführt und dienen u.a. zur Verbesserung der motorischen Antizipation, der Umstellungs- und Kopplungsfähigkeit sowie dem Entscheidungshandeln. Häufig werden sie passend zum jeweiligen basketballspezifischen Schwerpunktthema einer Trainingseinheit eingebaut, um den Spielern den direkten Bezug besser zu verdeutlichen. In dieser Phase des Aufbautrainings – meist in der C-Jugend – haben die Übungen und Spielformen vor allem Vorbereitungs- und Ausprägungsfunktion. Sie sind fertigkeitsbezogen, orientieren sich am technischen Niveau der Trainingsgruppe bzw. der einzelnen Spieler und werden zunehmend spielnäher, d.h. taktisch einsetzbar, gestaltet. Der Ballbesitzer soll lernen, seinen Blick vom Ball zu lösen, um sich ganz dem Spielgeschehen (Mitspieler, Gegner, Korb) widmen zu können.


 


Zusammenfassung und Schlußfolgerungen


Neben vielen positiven Bemerkungen, ergänzenden Hinweisen zu Details und interessanten Nachfragen gaben besonders zwei Anmerkungen aus dem Antwortenkatalog Anlass zum Nachdenken:


 



Rolf Zehlen (DBB-Bundestrainer, weibliche Jugend): „Ich empfinde es als große Schwierigkeit, dass unser (der Trainer, Anm.d.Verf.) Handeln nur auf Gewinnen und Verlieren hinausläuft. Wir sind dadurch in einem Teufelskreis, der kindgerechte Lernsituationen erschwert, da der Druck enorm anwächst und häufig Angst zur Folge hat.“ (Berlin, 09.05.1997)


Norbert Schädlich (Jugendtrainer von Eintracht Frankfurt): „Leider wird dem kurzfristigen sportlichen Erfolg oft mehr Beachtung geschenkt als der komplexen langfristigen Ausbildung. Den meisten Trainern mangelt es zudem am theoretischen Grundlagenwissen und an Informationen über Inhalte und Methoden zum Koordinationstraining im Basketball.“ (Frankfurt, im Juni 1997)


 


Diese Auffassungen treffen das Kernproblem systematischen, auf Spitzenleistungen ausgerichteten Nachwuchs-Basketballtrainings, das auch für andere Spielsportarten äußerst negative Langzeitfolgen besitzt (vgl. FRÖHNER 1998, MARTIN & ZIEGLER 1998, ZIEGLER 1998).


Am Beispiel des Koordinationstrainings, das in seiner Wirksamkeit immer längerfristiger angelegt sein muß als beispielsweise ein Konditionstraining, kollidieren wissenschaftliche Notwendigkeiten mit sportpolitischen Realitäten eines förderalen Sportsystems, das zunehmend durch kommerzielle Außeneinflüsse bestimmt wird. Sponsoren und DBB-Fördermaßnahmen orientieren sich daher eher an Siegleistungen als an einem trainingswissenschaftlich fundierten Ausbildungskonzept, das eine breite koordinative Grundlagenausbildung mit einschließt.


Allerdings ist auf diesem Gebiet grundlegende Forschung noch zu leisten, um folgende Fragen genauer zu beantworten:



Läßt sich ein basketballspezifisches Koordinationskonzept aus aktuellen bewegungswissen-schaftlichen Ansätzen, aus ressourcen-, kompetenz- und entwicklungstheoretischen Modellen ableiten ?


Wie läßt sich auf dieser wissenschaftstheoretischen Grundlage ein Koordinationstraining im Basketball erarbeiten und gestalten, das die Erhöhung der Qualität und Effektivität der leistungssportorientierten Nachwuchs-Ausbildung zum Ziel hat ?


Welche Möglichkeiten der Evaluation eines solchen Koordinationstrainings und welche Methoden der Diagnostik allgemeiner und basketballspezifischer koordinativer Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen bieten sich an ?


 


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