Basketball Co@ches Corner

von Günter Steppich

Sprungwurf aus der Bewegung, Schulung

Lehrprobe zum Erlangen der D-Trainer-Lizenz 2001

Thema

Schulung der Sprungwurfes aus der Bewegung

Autor: Louis Schumann

17. November 2001

Hinweis:

Im folgenden wird ausschließlich die männliche Form der Anrede verwendet. Dies dient lediglich der Abkürzung und ist nicht diskriminierend gemeint. Alle Bezeichnungen gelten somit selbstverständlich auch für Trainerinnen, Spielerinnen und Trainingsteilnehmerinnen.

Inhalt der Lehrprobe

1.     Lernziel

2.     Sachdarstellung

3.     Didaktische Überlegung

4.     Methodische Überlegungen

5.     Verlaufsplan

1. Lernziel

Trainingsziel
ist die Schulung des Sprungwurfes aus der Bewegung. Dafür sollten die
Trainingsteilnehmer den Standwurf sowie den einfachen Sprungwurf sicher
beherrschen und alterspezifische (Vgl. Kapitel 2.3) Kraft, Ausdauer,
Schnelligkeit und Sprungkraft besitzen.

2. Sachdarstellung

2.1 Definition und Begriffsterminologie

Der
Sprungwurf aus der Bewegung ist eine Kombination von mehreren
Bewegungen, einer Bewegung (Laufen / Abstoppen) folgt der Sprungwurf.
Der Sprungwurf selbst gleicht dem Wurf aus dem Stand, nur wird er im
Sprung ausgeführt. Der Wurf selbst ist die Beförderung des Balles zum
Korb durch Strecken des Armes und Abklappen des Handgelenkes.

2.2. Technikbeschreibung

Wie
bereits erwähnt ist der Sprungwurf aus der Bewegung eine Kombination
von Einzelbewegungen. Die erste Bewegung auf die eingegangen werden
muss, ist das Abstoppen. Es gibt hier zwei Möglichkeiten, zum einem der
Ein-Kontakt-Stopp, zum anderen der Zwei-Kontakt-Stopp. Beim
Ein-Kontakt-Stopp (oder auch Sprungstopp)  erhält der Spieler den Ball
im Laufen, springt mit dem Fuß, der Bodenkontakt hat, ab und landet mit
beiden Füssen parallel.

Bei
einem Zwei-Kontakt-Stopp springt der Spieler nicht ab, sondern schließt
an den Schritt (den er statt dem Absprung zwangsweise macht) einen
weiteren an und kommt dann ebenfalls parallel zum Stand.

Daran
schließt sich der Sprungwurf an, wichtig hierbei sind die Fußstellung
(in leichter Schrittstellung oder parallel, der Fuß der schwachen Hand
[Bsp. Rechtshänder – linker Fuß] etwas nach außen gedreht) und ein
explosiver beidbeiniger Absprung. Mit dem Absprung selbst wird der Ball
über den Kopf geführt (bzw. dort gehalten), die Wurfbewegung selbst
gleicht der beim Standwurf. Da dieser für Teilnahme am Training
vorausgesetzt wird, gehe ich auf eine Technikbeschreibung hier nicht
ein.

Für
die Ausführung des Sprungwurfes gibt es drei Möglichkeiten. In der
Regel erfolgt der Wurf gleichzeitig mit dem Aufsteigen. Doch taktische
Möglichkeiten lassen eine Verzögerung der Wurfbewegung zu. Es besteht
zum einen die Möglichkeit den Schuss am „Totpunkt“ kommen zu lassen,
d.h. der Spieler trennt Sprung und Wurf, an der höchsten Stelle erfolgt
die Streckung des Armes und das Abklappen des Handgelenkes. Zum anderen
kann der Spieler den Abwurf weiter verzögern, der Wurf erfolgt hierbei
in der Phase der Landung. Diese Art zu werfen wird selten angewandt und
ist für Jugendspieler aufgrund fehlender Koordination und Kraft nicht
geeignet.

2.3 Anforderung an die Trainingsteilnehmer

Die
Trainingsteilnehmer sollten in guter konditioneller Verfassung sein, da
ermüdete Spieler keinen sauberen und treffsicheren Wurf mehr ausführen
können. Des weiteren erhöht sich die Gefahr beim Abstoppen
Schrittfehler zu begehen. Sie sollten außerdem über ausreichend Kraft
(Sprungkraft und Armkraft) verfügen, da es wichtig ist, kraftvoll und
hoch zu springen.

Des
weiteren sollten die Spieler über Koordination verfügen, damit sie die
Komplexität, die Kombination aus Laufen, Abstoppen, Abspringen, Werfen
und sicherem Landen sauber ausführen können. Außer koordinativen und
konditionellen Voraussetzungen sind auch kognitive Fähigkeiten
hilfreich. Damit können die Spieler auch noch in der Wurfbewegung einen
eventuell besser postierten Mitspieler erkennen und sind in der Lage in
der letzten Sekunde noch einen Pass zu spielen statt zu werfen.

2.4. Anwendung im Spiel

Während
der Standwurf in erster Linie in unbedrängten Situationen (wie z.B.
Freiwurf) oder aus naher Distanz angewandt wird, findet der Sprungwurf
Anwendung aus mittlerer bis weiter (Drei-Punkte-Wurf) Entfernung. Wenn
man unbedrängt schießen kann, wird meistens auf den normalen Sprungwurf
(Sprung und Wurf gleichzeitig) zurückgegriffen. Gegen einen Gegner wird
meist mit dem verzögerten Sprungwurf (Wurf am Totpunkt) geworfen, gegen
aggressivere Verteidigung wird auch der noch länger verzögerte Wurf
angewandt, meist verbunden mit einem Zurückbeugen bzw. Zurückspringen
(besser bekannt als Fade-Away-Sprungwurf).


3. Didaktische Überlegung

Der
Schwerpunkt der Trainingseinheit liegt auf der Schulung des
Sprungwurfes aus der Bewegung nach Pass von einem Mitspieler mit einem
Ein-Kontakt-Stopp.

Die
Trainingsteilnehmer beherrschen den Standwurf sowie die verschiedenen
Arten abzustoppen, sind in der Lage einen korrekten Druckpass zu
spielen als auch zu fangen. Das Alter der Trainingsteilnehmer liegt
voraussichtlich im U 16 / U 18 (C-/B-) Jugendbereich.

4. Methodische Überlegungen

4.1 Trainingsorganisation

Es
wird mit zehn bis zwölf Teilnehmern gerechnet. Für jeden
Trainingsteilnehmer wird ein Ball benötigt. Außerdem werden vier Körbe
benötigt.

4.2 Vermittlung des Trainingsinhaltes

Bei
der Vermittlung von neuen Trainingsinhalten habe ich es mir zur Regel
gemacht möglichst viele „Eingangskanäle“ zu nutzen. So wird den
Jugendlichen  jede Übung oder Bewegung zuerst von mir erklärt und
danach vorgemacht. Anschließend soll diese Übung selbst ausprobiert
werden, dabei weise ich sie auf verschiedene Fehler hin und verbessere
diese.

4.3 Methodische Auflistung der einzelnen Übungen des Hauptteils

Übung 1

Die
Trainingsteilnehmer gehen zu zweit an einen Korb. Sie stehen etwa 4
Meter vom Korb entfernt mit Ball. Spieler A wirft sich den Ball mit
Rückwärtsspin vor und fängt den Ball mit einem Sprungstopp etwa drei
Meter vor dem Korb. Danach springt er ab und macht einen Sprungwurf.
Anschließend holt Spieler A seinen Rebound und dribbelt wieder vom Korb
weg. Nun macht Spieler B genau das gleiche.

Übung 2

Bei
dieser Übung befinden sich nun alle Spieler an einem Korb, sie stehen
in etwa vier gleich großen Gruppen an den Ecken der Zone. Während die
Spieler vorher nur auf sich achten mussten, kommt ein Mitspieler hinzu
der ihnen den Pass zuspielt. Dafür passt der Spieler A zu dem ihm
diagonal stehen Spieler B. Dafür bewegt sich Spieler B nun auf Spieler
A zu, erhält von ihm den Ball im Laufen, macht einen Ein-Kontakt-Stopp
und anschließend einen Sprungwurf.

Spieler 
A holt den Rebound und passt den Ball in seine Gruppe zurück. Beide
Spieler stellen sich nach der Übung in der Gruppe links neben ihnen
wieder an.

Übung 3

Aufbauend
auf Übung 2 kommt ein weiterer Schwierigkeitsgrad hinzu, ein passiver
Verteidiger. Aus der Aufstellung läuft der Passgeber nun auf den
Schützen zu und stellt sich (mit erhobenen Armen etwa einen Meter) vor
ihn. Nun muss der Schütze über einen Verteidiger hinwegschießen. Der
Rest der Übung wie oben.

5. Verlaufsplan

Übung

Zeit

Hilfsmittel

Bemerkungen

1

Aufwärmen

15 min

   

a

Die Spieler laufen über das Feld auf den gezeichneten Linien, an Linienkreuz müssen sie die Richtung wechseln

3 min

Feld mit vielen Linien

Richtungswechsel sollte in anderem Tempo erfolgen

b

Die
Spieler laufen über das Feld auf den gezeichneten Linien, an
Linienkreuz müssen sie mit einem Ein-Kontakt- oder Zwei-Kontakt-Stopp
zum Stehen kommen, danach Richtungswechsel und weiterlaufen

3 min

Feld mit vielen Linien

kraftvolles Abstoppen

c

wie unter b doch nach jedem Abstoppen müssen sie einen kräftigen Sprung machen

3 min

Feld mit vielen Linien

kraftvolles Abstoppen und explosiver Absprung

d

Stretching, Übungen etwa 10 Sekunden halten

6 min

 

Dehnung aller vier Funktionskreise

         

2

Hauptteil

20 min

   
 

Erklären der ersten Übung

2 min

   

a

Übung 1

4 min

pro Teilnehmer einen Ball, ca. 6 Körbe

besonders auf das Abstoppen achten und kräftigen Absprung achten

 

Erklären der zweiten Übung

2 min

   

b

Übung 2

5 min

zwei Bälle, einen Korb

wie bei Ü1, erhöhte Schrittfehlergefahr

 

Erklären der dritten Übung

2 min

   

c

Übung 3

5 min

zwei Bälle, einen Korb

wie bei Ü2

         

3

Cool Down

10 min

   

a

2×2 Freiwürfe

4 min

vier Bälle, zwei Körbe

 

b

auslaufen, ohne Schuhe

2 min

   

c

Stretching, Übungen etwa 20-30 Sekunden halten

   

auch hier Dehnung aller vier Funktionskreise

Comments are currently closed.